thyssenkrupp nucera verdoppelt Auftragseingang in den ersten neun Monaten 2025/2026
Auftragseingang steigt im dritten Quartal um 29 Prozent, womit sich das Neugeschäft in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/2026 nahezu verdoppelt (+96%)
Moeve bucht zusätzlich ein Service-Paket für den Betrieb des 300-MW-Elektrolyseurs für das größte Wasserstoff-Projekt Südeuropas
Starkes Chlor-Alkali-Geschäft und verbesserte Bruttomarge kompensieren geringeres Umsatzvolumen im Grünen-Wasserstoff-Segment beinahe vollständig
Aktualisierung der Jahresprognose 2025/2026 nach strategischer SOEC-Entscheidung
Dortmund, 12. August 2026 – thyssenkrupp nucera hat den Auftragseingang im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 um 29 Prozent auf 81 Mio. Euro gesteigert (3. Quartal 2024/2025: 63 Mio. Euro). Gleichzeitig blieb die operative Ergebnisentwicklung trotz eines niedrigeren Umsatzvolumens weitgehend stabil. Das Segment Chlor-Alkali (CA) steigerte sein Neugeschäft deutlich. Im Segment Grüner Wasserstoff (gH2) zeigte sich die übliche Volatilität im Projektgeschäft.
In den ersten neun Monaten des laufenden Berichtsjahres hat das Unternehmen den Auftragseingang von 241 Mio. Euro auf 471 Mio. Euro nahezu verdoppelt. Wesentlicher Treiber war der deutliche Anstieg des Auftragseingangs im Segment Grüner Wasserstoff. thyssenkrupp nucera gewann hier den Auftrag für das 300-Megawatt-Neubauprojekt von Moeve zum Bau der größten grünen Wasserstoffproduktionsanlage Südeuropas inklusive eines umfangreichen Service-Pakets. Das Langzeit-Servicepaket umfasst fortschrittliche digitale Lösungen unter Einsatz von Digital Twins, intelligentem Lastmanagement und realistischen Betriebssimulationen.
Zusätzliche Wachstumsfelder im Grünen-Wasserstoff-Segment erschlossen
thyssenkrupp nucera hat zudem den Zugang zum schnell wachsenden Wasserstoffmarkt in Indien durch eine strategische Partnerschaft mit der indischen BHEL im Juli erweitert. Die beiden Unternehmen werden auch bei der schrittweisen Verlagerung der Fertigung von Modulen für Wasserstoff-Elektrolyseure nach Indien zusammenarbeiten.
Der Konzern-Umsatz von thyssenkrupp nucera lag im dritten Quartal mit 145 Mio. Euro unter dem hohen Wert des Vorjahres (3. Quartal 2024/2025: 184 Mio. Euro). Der Umsatz im gH2-Segment konnte das Vorjahresniveau nicht erreichen. Das CA-Segment erzielte dagegen ein deutliches Umsatzplus. Maßgeblicher Grund hierfür ist ein Anstieg im Neubau- und Service-Geschäft, der bezogen auf das Neubaugeschäft teilweise auf zeitliche Vorzieheffekte zurückzuführen ist.
Auch ergebnisseitig zeigte sich das abgelaufene Quartal robust: Eine verbesserte Bruttomarge und ein aktives Kostenmanagement kompensierten das geringere Umsatzvolumen fast vollständig, sodass der erwartete Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (EBIT) in diesem Dreimonatszeitraum auf –2 Mio. Euro begrenzt wurde (3. Quartal 2024/2025: 0 Mio. Euro).
In den ersten neun Monaten 2025/2026 erreichte der Konzern-Umsatz 354 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 663 Mio. Euro). Das Konzern-EBIT verringerte sich im Neunmonatszeitraum auf –69 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 4 Mio. Euro). Dieser Rückgang ist maßgeblich auf die bereits im zweiten Quartal angefallenen einmaligen Sonderkosten im Zusammenhang mit Neubauprojekten sowie einer Vertragsauflösung eines Projektes in den USA im gH2-Segment zurückzuführen.
„thyssenkrupp nucera zeigt im dritten Quartal operative Stärke: Ein robuster Auftragseingang, ein starkes Chlor-Alkali-Geschäft, eine verbesserte Bruttomarge und ein konsequentes Kostenmanagement stabilisieren unser Ergebnis. Im Bereich grüner Wasserstoff gehen wir bewusst selektiv vor – mit technologischem Anspruch, Projektdisziplin und klarem Fokus auf nachhaltige Wertschaffung. Der Chlor-Alkali-Bereich baut seine führende Marktposition mit bewährter Technologie und Umsetzungsstärke konsequent weiter aus“, sagt Dr. Werner Ponikwar, CEO von thyssenkrupp nucera.
Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung lagen im dritten Quartal bei rund 10 Mio. Euro (3. Quartal 2024/2025: 10 Mio. Euro). In den ersten neun Monaten stieg der F&E-Aufwand um 19 Prozent auf 29 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 24 Mio. Euro).
Das Finanzergebnis betrug im dritten Quartal 3 Mio. Euro (3. Quartal 2024/2025: 3 Mio. Euro). In den ersten neun Monaten 2025/2026 lag es bei 8 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 13 Mio. Euro). Das Ergebnis nach Steuern verbesserte sich im dritten Quartal auf 0 Mio. Euro (3. Quartal 2024/2025: –2 Mio. Euro). In den ersten neun Monaten betrug das Ergebnis nach Steuern –64 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 4 Mio. Euro).
Chlor-Alkali mit anhaltend hoher Geschäftsdynamik und bewährter Umsetzungsstärke
Im Segment Chlor-Alkali (CA) stieg der Auftragseingang im dritten Quartal 2025/2026 um 57 Prozent auf 78 Mio. Euro (3. Quartal 2024/2025: 50 Mio. Euro). Sowohl das Neubau- als auch das Servicegeschäft trugen dazu bei. Beim Umsatz legte das CA-Segment im dritten Quartal um 34 Prozent auf 109 Mio. Euro (3. Quartal 2024/2025: 81 Mio. Euro) zu. Das EBIT verbesserte sich um 14 Prozent auf 15 Mio. Euro (3. Quartal 2024/2025: 13 Mio. Euro).
In den ersten neun Monaten stieg der Auftragseingang des Segments um 32 Prozent auf 288 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 218 Mio. Euro). Der Umsatz belief sich in den ersten neun Monaten auf 273 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 286 Mio. Euro). Das EBIT lag in diesem Neunmonatszeitraum bei 38 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 43 Mio. Euro).
Im Segment Grüner Wasserstoff (gH2) lag der Auftragseingang im dritten Quartal mit 3 Mio. Euro unter dem des Vorjahresquartals (3. Quartal 2024/2025: 13 Mio. Euro). Der Umsatz im gH2-Segment summierte sich im dritten Quartal auf 36 Mio. Euro (3. Quartal 2024/2025: 103 Mio. Euro). Das EBIT betrug in diesem Zeitraum –17 Mio. Euro (3. Quartal 2024/2025: –13 Mio. Euro).
In den ersten neun Monaten stieg der gH2-Auftragseingang auf starke 184 Mio. Euro an (9 Monate 2024/2025: 23 Mio. Euro). Der Umsatz belief sich in den ersten neun Monaten auf 80 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 377 Mio. Euro). Das EBIT sank im Neunmonatszeitraum auf –107 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: –39 Mio. Euro). Den Umsatzrückgang lösten im Wesentlichen die geringeren Umsatzbeiträge des NEOM-Projekts in Saudi-Arabien und anderer großer Referenzprojekte aus. Infolge der planmäßigen Projektfortschritte ist der Großteil der Umsätze aus den Projekten bereits verbucht. Hinzu kamen negative einmalige Ergebniseffekte infolge höherer Kosten im Zusammenhang mit Neubauprojekten im zweiten Quartal.
Strategische Anpassungen der SOEC-Aktivitäten
Nach sorgfältiger strategischer Bewertung der Marktreife, des Investitionsbedarfs und der wirtschaftlichen Perspektiven hat sich das Unternehmen entschieden, die Aktivitäten zum Aufbau einer eigenen Serienfertigung der Hochtemperatur-Elektrolyse (Solid Oxide Electrolysis Cell, SOEC) nicht weiterzuverfolgen. Die Investition in den eigenständigen Aufbau einer SOEC-Fertigungskapazität bietet unter den aktuellen Rahmenbedingungen kein wirtschaftlich attraktives Geschäftsmodell. Der verzögerte Hochlauf insbesondere bei der Hochtemperaturelektrolyse und die damit verbundenen unsicheren Investitionsbedingungen für Projektentwickler haben die erwartete Nachfrage deutlich beeinträchtigt und damit die wirtschaftlichen Perspektiven für eine Kommerzialisierung im ursprünglich geplanten Umfang verändert. Im Zusammenhang mit dieser Entscheidung fallen negative Einmaleffekte im EBIT in von ca. 30 Mio. Euro an, im Wesentlichen aus einer Wertberichtigung der Pilotanlage und aktivierter Entwicklungsleistungen. Im Sinne einer strikten Kostendisziplin konzentriert thyssenkrupp nucera seine Ressourcen künftig konsequent auf das etablierte Chlor-Alkali-Geschäft, die industriell verfügbare alkalische Wasserelektrolyse (AWE) sowie demnächst die Hochdruck-Wasserelektrolyse. Das Unternehmen prüft derzeit, wie die vorhandenen Kompetenzen und der Standort Arnstadt im Rahmen des laufenden strategischen Reviews weiter genutzt werden können.
Solide Bilanzposition unterstützt strategische Flexibilität
Zum 30. Juni 2026 verfügte thyssenkrupp nucera über ein Nettofinanzguthaben von 627 Mio. Euro (30. September 2025: 656 Mio. Euro). Damit bleibt die Bilanz- und Finanzposition des Unternehmens solide und bietet weiterhin finanziellen Handlungsspielraum für die Umsetzung der strategischen Prioritäten. Der Free Cashflow lag in den ersten neun Monaten des laufenden Berichtsjahres 2025/2026 bei –26 Mio. Euro (9 Monate 2024/2025: 15 Mio. Euro). Der Auftragsbestand auf Konzernebene betrug zum 30. Juni 2026 insgesamt 638 Mio. Euro (30. September 2025: 606 Mio. Euro). Die Zahl der Mitarbeitenden lag zum 30. Juni 2026 weltweit bei 1.076 und damit leicht unter dem Vorjahr (1.093 Mitarbeitende).
„Wir bewegen uns weiterhin in einem herausfordernden und volatilen Marktumfeld, insbesondere im Bereich grüner Wasserstoff. Deshalb liegt unser Fokus klar auf Kostenkontrolle, risikoorientierter Steuerung und der Sicherung unserer finanziellen Flexibilität.“, sagt Dr. Stefan Hahn, CFO von thyssenkrupp nucera.
Ausblick: Aktualisierung der Jahresprognose 2025/2026 nach strategischer SOEC-Entscheidung
Das Management hat die im März geänderte Prognose für das Geschäftsjahr 2025/2026 aktualisiert. Mit diesem Schritt berücksichtigt das Unternehmen den aus der Einstellung der Aktivitäten zum Aufbau einer eigenen SOEC-Serienfertigung resultierenden einmaligen Ergebniseffekt und die aktuelle Geschäftsentwicklung.
Der Vorstand erwartet nun einen Auftragseingang zwischen 550 Mio. Euro und 670 Mio. Euro. Bisher lag das Prognoseintervall zwischen 550 Mio. Euro und 850 Mio. Euro. Für den Konzern-Umsatz lautet die konkretisierte Erwartung zwischen 450 Mio. Euro und 500 Mio. Euro, wozu bereits vertraglich vereinbarte Projekte beitragen sollen. Die bisherige Prognosespanne lag zwischen 450 Mio. Euro und 550 Mio. Euro. Für das Konzern-EBIT rechnet das Management aufgrund der Einmaleffekte aus der strategischen SOEC-Entscheidung mit einem Wert zwischen –105 Mio. Euro und –75 Mio. Euro. Zuvor war von einem Konzern-EBIT zwischen –80 Mio. Euro und –30 Mio. Euro ausgegangen worden.
Beim Segment Grüner Wasserstoff (gH2) geht thyssenkrupp nucera für das Geschäftsjahr 2025/2026 nun von einem Umsatz zwischen 100 Mio. Euro und 130 Mio. Euro aus. Bislang bewegte sich die Umsatz-Prognose in diesem Unternehmenssegment von 120 Mio. Euro bis 170 Mio. Euro. Im gH2-Segment rechnet das Management nun mit einem EBIT zwischen –155 Mio. Euro bis –135 Mio. Euro. Hier sind die Einmaleffekte aus der strategischen SOEC-Entscheidung entsprechend berücksichtigt worden. Die bisherige Erwartungsspanne bewegte sich zwischen –125 Mio. Euro und – 90 Mio. Euro.
Die Prognose im CA-Segment bleibt unverändert. Beim Umsatz geht thyssenkrupp nucera weiterhin von einem Wert zwischen 320 Mio. Euro und 400 Mio. Euro aus. Das EBIT soll zwischen 45 Mio. Euro und 65 Mio. Euro betragen.
Pressemitteilung zum Download
Letztes Update: 12. August 2026
thyssenkrupp_nucera_Geschaeftszahlen_Q3_9m_2025_26_260812.pdf
Pressekontakt